(c) Steffen Brückner, 2001



In den Schatten

Die Sonne war gerade hinter den Bergen versunken, als die Gruppe das Stadttor passierte.Der Anführer der Lichtkrieger, Malik mit Namen, blickte mit tastenden Augen in das Gewühl von Leibern, das sich in der Dämmerung hinter den Stadtmauern tummelte. Bauern die auf dem Markt ihre Waren feilbieten wollten, eine nervös aussehende Patroullie der Stadtgarde, Gaukler, ein Barde, der mit lauter Stimme eine Komödie Laots´
vortrug, eine Gruppe reicher Händler, die gutgelaunt und von ihrer Leibwache gefolgt zur nächsten Schänke schlenderte - alles in allem war es ein ganz normaler Abend in einer grossen Stadt wie dieser. Nichts deutete auf den Grund seines Hierseins hin.

Malik drehte sich zu seinem Gefolge um: "Seit auf der Hut, in diesem Gewühl kann man Freund und Feind nicht auseinander halten."

Zufrieden stellte er fest, das seine Männer solchen Rat nicht nötig hatten.Ebenso wachsam wie die seinen hatten ihre neun Augenpaare das Halbdunkel zu durchdringen versucht, und neun Hände lagen auf den griffen stählerner Schwerter. Im Schritttempo lenkten die Lichtkrieger ihre Pferde durch die engen Gassen der Stadt, strebten geradewegs auf den Tempel Xarox zu. Von dort hatte sie die Nachricht ereilt, die der Grund ihres Hierseins war. Sie waren sie Klinge Xarox, nicht den weltlichen Machthabern unterworfen, sondern nur den Gesetzen ihres Gottes.

Es gab viele Gruppen wie die von Malik, über ganz Tyroll verstreut, und als sie den Tempel erreichten, stellte Malik fest, daß sie nicht die einzige Gruppe sein konnten, die die Nachricht erhalten hatte. Vor den Stufen und um die reich verzierten Säulen des Heiligtums tummelten sich mindesten zweihundert Krieger mit dem Adler Xarox auf ihren Schilden.

Das leise Murmeln ihrer Stimmen drang wie ein Meeresrauschen aus Wörtern, Silben und Geräuschen an Maliks Ohren. Von überall her aus dem Königreich Tyroll mussten sie gekommen sein. Sorgenfalten zerfurchten Maliks Stirn. Wenn fast alle Lichtkrieger Tyrolls hier versammelt wurden, musste etwas sehr wichtiges anstehen. Er befahl seinen Männern abzusitzen, und sogleich kamen Knechte herbei um die Pferde in den Ställen neben dem Tempel unterzubringen. Malik bahnte sich, dicht von seinen Männern gefolgt, einen Weg durch die versammelten Lichtkrieger die,
seinem Rang und seinem Namen angemessen, zur Seite traten, und schritt die Tempelstufen hinauf.

Als sie die Halle betraten wurden die Falten auf Maliks Stirn tiefer.Die sonst so prunkvolle Halle glich einem Heerlager. Der Geruch von Blut, Krankheit und Tod lag in der Luft. Rechts und Links an den Wänden des Tempels wurden verletze Krieger versorgt und selbst der niedrigste Knecht trug eine Waffe. Auf dem schmucklosen Thron saß Arman,der Hohepriester Xarox´.

Der Anblick versetzte Malik einen Schrecken. Das letzte Mal, als er den Hohepriester gesehen hatte,war er ein asketischer Mann in den besten Jahren gewesen. Alt und weise genug um seinem Amt gerecht zu werden, aber noch weit davon entfernt gebrechlich zu sein. Das war vor einem Jahr gewesen,während den Feierlichkeiten, die den Feldzug gegen die nordlichen Stämme, die einmal mehr Tyrolls grenzen bedrängt hatten, zu einem wahren Triumph Xarox´ gemacht hatten.

Der Mann den Malik jetzt sah bot ein Bild des Jammers.Sein ehemals blondes Haar war weiß wie Schnee und die Augen Armans lagen tief in den Höhlen, in ihnen flackerte das Feuer panischer Angst und sein Atem roch nach Krankheit. Seine früher würdevolle Gestalt war abgemagert und von duzenden kleiner Wunden übersäht. Malik nahm, Böses ahnend, all seinen Mut zusammen und strebte festen Schrittes auf den Thron zu, während
seine Krieger ihn flankierten.

"Heil Xarox, ehrwürdiger Hohepriester, mein Leben für Xarox!"

Arman winkte ab und sein Arm viel sogleich kraftlos auf die Lehne des Throns zurrück.

"Spart euch eure Kraft, Malik."Die Stimme war nurmehr ein heiseres Krächtzen und ließ Malik frösteln."Es ist gut das ihr hier seid, mein Freund. Xarox prüft uns schwer in diesen Tagen.er..." Die Stimme Armans versagte.

Malik konnte seine Fragen nicht mehr länger zurrückhalten: "was geschieht hier,Euer Gnaden? Was..."

Arman gebot ihm mit einer herrischen Geste zu schweigen. "Es begann vor etwa drei monden," Arman flüsterte fast "zuerst verschwanden Leichen vom Grabacker. Erst eine, dann zwei, dann bis zu einem Duzend pro Nacht. Wir stellten Wachen auf, aber soviele wir auch schickten, kein einziger Mann kam zurück. Erol, der Magier, ihm gelang es den Grabacker zu beobachten, nur eine Nacht lang......er wurde von der Stadtwache aufgegriffen, mit wilden Blicken und dem Wahnsinn in den Augen. Er faselte etwas von Irion, der zurrück sei. Er sei auf dem Grabacker gewandelt....stolz und Xarox lästernd..."

Malik unterbrach ihn: "Mit Verlaub Ehrwürden, Erol muss von Sinnen gewesen sein. Irion ist tot, in die sieben Höllen verdammt von Xarox selbst. So sagt es unsere Überlieferung, und so singen es die Barden."
"Und siehe der, der Xarox die Stirn bot wurde geschlagen mit Wahnsinn und zur ewigen Folter hinabgeschleudert in Marduks reich... ."zitierte Malik.
"So steht es geschrieben Arman, wie kann Irion zurück sein?" Malik schrie jetzt fast, vor Entsetzen und vor Wut ob derat lästerlichem Gefasel.

"Mäßigt Euch, Malik!" tadelte Arman "Hört Euch meinen Bericht bis zum Ende an! Erol will beobachtet haben wie Irion den Toten unheiliges Leben einflösste, mit unheiligen Beschwörungen und Zauberkraft, um dann, von Ihnen gefolgt, in die Kanalisation unter der Stadt hinab zu steigen. Erol folgte der bizarren Gruppe. Am nördlichen Eingang in die alten Tunnel macht Irion Halt. Er mußte Erol bemerkt haben. Er drehte sich zu dem armen Erol um, der vor Schrecken wie gelähmt war. Unfähig sich zu bewegen sah Erol Irion auf sich zu kommen.Er beschrieb ihn genau so wie die alten Geschichten es tun. Von hünenhafter Gestalt, stark wie zwanzig Männer, mit langem schwarzen Haar und schwarzen Augen in denen uraltes Wissen und mörderische Blutgier funkeln. Irion kam zu ihm und sprach: "Du weißt wer ich bin! Sage den Knechten Xarox das ich zurück bin. Zurück um sie und ihren Gott in den Staub zu werfen." Die Untoten waren schon längst mitsamt Irion in den Tunneln verschwunden, als Erol sich wieder bewegen konnte. Von panischer Furcht getrieben rannte er geradewegs zu mir um Bericht zu erstatten. Dann ging er fort und nahm sich das Leben."
Der gezeichnete Hohepriester machte eine Pause."Das war vor etwa zwei Monden" fuhr er fort. "Seitdem wurden die Stätten Xarox´ entweiht, geschändet und unsere Leute des Nachts in der Stadt angegriffen. Wir haben über einhundert Männer verloren, aber es wurden nie Leichen gefunden. Zeugen der Scharmützel berichten nur voll Entsetzen wie die erschlagenen Lichtkrieger zerfetzt und blutend aufstanden um willenlos ihren untoten Mördern zurück in die Kanalisation zu folgen. Wir müssen annehmen, das sie in Irions Horde eingereiht wurden. Unsere Brüder...." Arman verstummte einen Moment um dann fotzufahren: "In der folgenden Zeit verloren wir weitere fünfzig Männer ohne etwas tun zu können. Jeden Tag habe ich Xarox angerufen, um Hilfe oder
wenigstens um Rat " klagte Arman " Aber ich habe kein Zeichen gesehen, nicht einmal Xarox Anwesenheit habe ich spüren können. Malik, mein Freund wir müssen uns schwer gegen ihn versündigt haben, das er uns in dieser Stunde der Not alleine lässt. Dann, vor zwei Wochen geschah es: Irion selbst kam Nachts mit seiner Horde aus der Tiefe gekrochen und führte sie gegen den Tempel. Es kam zum Kampf. Unsere Männer fielen wie die Fliegen. Irion selbst muß, wie ein Berserker wütend, sechzig der Unseren auf dem Gewissen haben. Dennoch gelang es uns unter schrecklichem Blutzoll seine Horde
zurrück zu schlagen. Leiche um Leiche fiel unter dem heiligen Stahl unserer Klingen und zerfiel zu Staub. Dein Halbbruder Aran stürzte sich mit stolz erhobenem Schwert auf Irion. Von einem einzigen Hieb seiner Axt wurde er fast entzwei gehauen. Er hatte keine Chance. Als wir Irion und seine Horde immer weiter zurrückgeschlagen hatten, war Irion plötzlich verschwunden. Wir erschlugen das letzte Duzend seiner unheiligen Brut. Aber der Preis war zu hoch. Von den ehemals vierhundert Lichtkriegern waren noch achtzig am Leben, zwei Duzend waren verletzt. Viele von ihnen sind noch an ihren Wunden gestorben, die anderen liegen hier." Aran beschrieb mit der Hand einen Bogen, und folgsam lies Malik seinen Blick über die Verletzten wandern.
"Noch ehe eine Stunde um war, erschien die Gestalt Irions erneut auf dem Schlachtfeld. Diesmal war er alleine. Niemand konnte die Hand gegen ihn erheben, alle waren wie gelähmt." Arman zitterte jetzt und Tränen der Wut und der Ohnmacht flossen seine Wangen hinab" Er..er nahm unsere Gefallenen Brüder mit .....wie Marionetten folgten sie..." Arman fasste sich wieder. "Wir werden den nächsten Kampf gegen unsere gefallenen
Brüder fechten, Malik!" Schloß Arman seinen Bericht mit eiskalter Stimme.


Ruhe vor dem Sturm


Sie sprachen noch lange, bis tief in die Nacht. Malik war ausser sich. Entweder war Arman verwirrt oder Irion war tatsächlich zurrück. Malik ging davon aus, dass Arman noch Herr seiner Sinne war, und deswegen schenkte er auch seinen weiteren Ausführungen Glauben. Während die Lichtkrieger in Schichten den Tempel bewachten und die Verletzten in der Tempelhalle vor Schmerz stöhnten, lauschte Malik der gebrochenen Stimme des Hohepriesters. Seinem Bericht zufolge war die Stadtgarde keine Hilfe, die Stadtherren sahen keinen Grund ihre Soldaten gegen unheiliges Pack zu senden, das nur Xarox den Krieg erklärt hatte. Das kam fast einem Verrat nahe, denn die Lichtkrieger hatten Tyroll und damit auch diese Stadt mehr als einmal vor dem Untergang bewahrt. Aber in Wahrheit waren die Stadtherren vor Angst wie gelähmt. In ihrer Dummheit hofften sie, die Lichtkrieger würden mit ihren Problemen alleine fertig werden, oder, falls nicht, das Irion mit seiner Horde abziehen würde sobald er sein Ziel erreicht und alle Lichtkrieger vernichtet hatte.

"Narren" fluchte Malik in seinen Becher hinein. Aber seine Gedanken umkreisten in Wahrheit nicht mehr die militärischen und politischen Aspekte.
Er war verzweifelt. Xarox hatte nicht eingegriffen um seine Diener zu schützen. War es eine Prüfung? Oder eine Strafe? Die Lichtkrieger waren vielleicht von den vielen Triumphen in der Vergangenheit hochmütig geworden, trunken von Stolz und Eitelkeit. Malik trat auf die Stufen des Tempels hinaus und
richtete seinen Blick auf den klaren Sternenhimmel. Aus dem Norden zogen schwarze Wolken herbei, und sie brachten Sturm und Gewitter mit sich. Er nahm einen letzten Schluck aus seinem Becher, schleuderte ihn mit einer wütenden Bewegung fort und begab sich auf sein Zimmer.

Tausend Klauen griffen nach seinem Geist, rissen Stücke aus seiner Seele, vergewaltigten ihn, zogen ihn auseinander und fügten ihn wieder zusammen.
Mit all der Kraft seines unbändigen Willens, seines Hasses und seiner Wut warf er sich gegen die Fratzen, die ihn in die ewige Dunkelheit hinab ziehen wollten. Seine Schreie, durchtränkt von Schmerz und vom Willen zu leben, warfen ihre Echos durch die Dunkelheit. Wie von Sinnen hieb sein Geist immer wieder auf die Dämonen ein, die ihre Klauen immer wieder in das Fleisch seines Wesens schlugen. Er schleuderte sie von sich, zertrat sie und löschte einen nach dem anderen aus, aber für jeden den er dem Nichts überließ, schlugen zwei neue ihre Fänge seinen Leib. So fochten sie eine Ewigkeit, bis mit einem Mal Stille ihn umfing. Sie waren weg, und er stand stolz und blutend in der Weite des Raumes und Schrie seinen Sieg hinaus.
Weit unten, tief im Nichts fand sein Ruf Gehör. Die Schlange kroch empor, von seiner archaischen Wut und seinem brutalen Lebenstrieb angelockt, kam sie neugierig zu ihm. Mit einem einzigen Biss schluckte sie ihn herunter und spie ihn zurrück auf das Antlitz der Welt, um zu sehen was er tun würde.

Malik entkleidete sich und entzündete die Räucherkerzen. Er reinigte sich im Rauch und schickte seinen Geist auf die Suche nach Xarox. Das letzte Mal als er seinen Geist auf die Suche geschickt hatte erlebte er ungeahnte Glücksgefühle, war durchdrungen vom Geiste und der Stärke Xarox´. Jetzt war es anders. Nichts als Leere konnte er finden.Verzweiflung breitete sich aus in seiner Seele, und die Traurigkeit umfing ihn wie ein Schleier.So trieb er durch den Raum, ganz mit sich allein, bis er mit einem Mal, ganz am Rande seines Bewusstseins etwas wahrnahm. So schnell er konnte bewegte er sich darauf zu. Und dann sah er sie. Die Schlange und der Adler, Marduk und Xarox, umschlungen in einer todbringenden Umarmung und aus unzähligen Wunden blutend wälzten sie sich durch den Raum.Mit Entsetzen starrte er auf die kämpfenden Titanen. Er konnte nicht erkennen wer die Oberhand gewann und mit einem Mal wurde sein Geist von einer gewaltigen Woge erfasst und zurrück in seinen Körper geschleudert.
"Xarox kann uns jetzt nicht helfen" flüsterte er und fiel sogleich in einen schweren Schlaf.

Als er erwachte war sein Geist wieder klar. Er kleidete sich an und begab sich sogleich zu Arman. Schweigen hörte dieser seinem Bericht zu.
"Also ist es keine Prüfung, keine Strafe Xarox´.Das hier ist unser schwerster Kampf, mein Freund Malik!Und wir kämpfen ihn für den Adler!"

"Arman," drängte Malik "Wir müssen alleine mit Irion fertig werden. Ich werde alle Männer sammeln, und dann werden wir ihn angreifen! Wir werden dieses Pack vom Angesicht der Welt fegen,koste es was es wolle!"

"Euer Mut ehrt euch, Malik" sprach Arman "aber wenn wir die Tunnel stürmen, dann sind wir verloren. Wer kann schon genau sagen wie viele Untote uns dort erwarten? Ausserdem kennt Irion sich in den Tunneln besser aus, es wäre ihm ein Leichtes uns in einen Hinterhalt zu locken! Nein, mein Freund, wir müssen ihn heraus locken um ihn in einer offen Schlacht zu stellen, hier vor den Stufen des Tempels. Mag auch Xarox selbst nicht bei uns sein in dieser wichtigen Schlacht, so wird der heilige Boden,auf dem wir uns hier befinden dennoch von Vorteil sein. Ausserdem wird es noch ein paar Tage dauern bis wir alle Lichtkrieger Tyrolls hier versammelt haben. Andras ist mit fünzig Mann von der Nordgrenze her unterwegs und auch Lord Ayron wird uns mit seinen Männern zur Seite stehen."

Malik wandte ein:"Aber auch Irion wird seine Horde mit jedem Tag vergrössern. Wenn er den Grabacker erst geleert hat, dann wird er anfangen sich die Lebenden zu holen, die Bürger. Wenn wir zu lange warten werden wir gegen die ganze Stadt kämpfen müssen, eine ganze Stadt aus Untoten, beseelt von Irions schwarzer Magie. So können wir ohne Xarox Hilfe unmöglich Siegen. Und bedenkt, Arman, seine Streitmacht wächst schneller als die unsere."

Arman lächelte:"Ihr denkt wie ein grosser Feldherr, Malik aber Irion will keinen Krieg gewinnen, er will uns auslöschen. Er wird uns angreifen sobald wir alle hier versammelt sind, das ist sicher. Er kann unmöglich mit seiner Armee von Untoten allen Lichtkriegern hinterher jagen. Er kann seine Kreaturen nur innerhalb eines bestimmten Gebietes zusammen halten, deswegen muss er uns hier vor dem Tempel angreifen. Und auch wir können uns in
unserem geschwächten Zustand nicht erlauben auf einen langen Krieg zu hoffen. Es muss hier ein für alle mal ausgefochten werden.!!"
"Und" fügte Arman hinzu "soll er sich ruhig ein Paar Bürger holen, denn sobald er das tut haben wir die Stadtherren und die Bürgerwehr auf unserer Seite...auch wenn sie nicht für Xarox kämpfen, sondern um ihr verderbtes kleines Leben, das sie alle schon seit langem niemandem mehr ausser ihnen
selbst geweiht haben."

Malik war erschrocken ob Armans Skrupellosigkeit.Andererseit, dachte er,kommt man nicht von ungefähr in das Amt das Arman bekleidete. Und mochte er noch so geschwächt und verängstigt gewesen sein, Maliks Vision hatte Arman wieder Hoffnung gegeben, Xarox hatte sich nicht von ihnen abgewandt,sondern er kämpfte den selben verzweifelten Kampf wie sie,wenn auch auf einer anderen Ebene.Obschon in Armans Augen noch lange nicht so viel Zuversicht geschrieben stand wie in seinen Worten.
"Gut, Arman, ihr habt recht. Wenn ihr es erlaubt werde ich nun unsere Männer auf die Schlacht vorbereiten".

*

Zwei Tagesritte von der Stadt entfernt hielt Lord Ayron seine Männer an.Sein Blick streifte unstet über die Ebene. Der Herbst war schon fast zu ende und hatte die majestätische Landschaft ihrer Farben beraubt, sodaß sie karg und irgendwie endlos wirkte.Sturmwolken krochen langsam und bedrohlich über die Nordberge und verschluckten Licht und Zuversicht. Der Gewaltritt hatte Lord Ayrons Männern schwer zu schaffen gemacht, und die Aussicht auf den nahenden Sturm drückte die Stimmung der Lichtkrieger zusätzlich.

"Alle Mann absteigen, wir rasten hier!!"rief er mit einer Stimme die es gewohnt war zu befehlen. Sogleich wurde seiner Anordnung Folge geleistet und in
kurzer Zeit war ein kleines Lager entstanden. Lord Ayron ließ sich an einem der entzündeten Feuer nieder und nahm einen tiefen Schluck aus seinem Schlauch. Eigentlich hätte Andras mit seinen Kriegern hier auf sie warten sollen, aber so wie es aussah hatte er sich wohl verspätet. Nun ja, sie würden hier warten bis zum nächsten Morgen, und dann weiter zur Stadt reiten. Ein größeres Zugeständnis konnte er nicht machen.Der Sturm war ihnen von der Nordgrenze aus gefolgt und würde sie bald eingeholt haben. Seit Arman nach Lord Ayron geschickt hatte war so oder so schon zuviel Zeit vergangen. Noch wusste er nicht genau was in der Stadt vor sich ging, aber es musste wichtig sein wenn Arman die Nordgrenze vernachlässigte und die Lichtkrieger in der Stadt zusammenzog.

Plötzlich wurde Lord Ayron vom Ruf einer Wache aus seinen Gedanken gerissen. "Ein Reiter kommt von Osten her direkt auf uns zu!!"

So, ein Reiter.Vielleicht ein Späher von Andras. "Lasst ihn sich nähern bis wir wissen ob es Freund oder Feind ist!" gab er zurück. Er trat neben die Wache um sich den Reiter genauer anzusehen. Als er nach einiger Zeit mehr als einen sich bewegenden Fleck erkennen konnte, stellte er fest, dass
es sich um einen Lichtkrieger handelte.Um einen verletzten Lichtkrieger. Der Reiter hielt in vollem Galopp auf das Lager zu, aber man konnte seiner Haltung entnehmen das ihn dieser Ritt seine letzte Kraft kostete. Dann war er endlich angekommen und sprang mit letzter Kraft aus dem Sattel.
Seine Gestalt wäre beeindruckend gewesen, wenn er nicht in einem so desolaten Zustand gewesen wäre. Sein roter Mantel war verdreckt und zerfetzt, sein schwarzes Haar mit Blut verschmiert und seine blauen Augen blickten glasig, versuchten Lord Ayran zu fixieren.
Das ehemals silberne Kettenhemd hing in Fetzen und sein ganzer Körper war von Wunden übersä
t. So stand er schwankend vor Ayran und rang um Atem. "Alle tot......Andras.........Hinterhalt...Ihr müsst ........fliehen"stieß er gepresst hervor. "die Toten kommen hierher...sie ....sie kommen mir nach...bitte flieht!Schnell!!"


"Er ist im Fieberwahn.Schnell, bringt ihn in ein Zelt und versorgt ihn.Und verdoppelt die Wachen." ordnete Lord Ayron nach einem krzen zögern an.
Angestrengt starrte er in die Richtung aus der der Reiter gekommen war.Nichts. Nur Nebel zog auf. "Bringt ihn in mein Zelt wenn er sich etwas erholt
hat" kommandierte Ayron.

Gewaschen und mit versorgten Wunden saß der Reiter Lord Ayron gegenüber. "Es war ein einziges Gemetzel" schloß der Reiter seinen Bericht während er noch einen Schluck heissen Wein zu sich nahm.

Es dauerte einen kurzen Moment bis Ayron antwortete:"Ich glaube euch, dass Andras und seine Männer tot sind, aber wie sollen es Tote gewesen sein die das Blutbad angerichtet haben? Tote Lichtkrieger? Bei Xarox, das ist lachhaft. Es waren mit Sicherheit verkleidete Stammeskrieger die euch angegriffen haben."

"Nein,nein niemals .Es waren tote Lichtkrieger" widersprach der Reiter und seine Augen weiteten sich vor Entsetzen "Sie waren über und über mit Wunden bedeckt, Gliedmaßen waren abgetrennt, die Panzer zerfetzt.Es können keine Menschen gewesen sein." beharrte er. "Einige zerfielen zu Staub unter meiner heiligen Klinge. Es war wie in den alten Geschichten! Es..." er unterbrach seine Rede "Ihr werdet sehen, Lord Ayron.Ihr werdet sehen!"

Ayron entliess den verwirrten Reiter, der so merkwürdige Warnungen aussprach und begann zu grübeln. Sollte der Reiter etwa Recht haben? Und selbst wenn es verkleidete Stammeskrieger gewesen waren, hatte er hier nur sechzig Mann bei sich.Andras hatte mehr als doppelt so viele bei sich gehabt, und war trotzdem verloren gewesen. Beim ersten Tageslicht würden sie aufbrechen, in die sicheren Mauern der Stadt. Nervös trat er aus seinem Zelt in den zuckenden Wiederschein der Feuer. Etwas bedrohliches, gefährliches lag in der kalten Nachtluft. Lord Ayron ging die Wachtposten ab. Er runzelte die Stirn. Der Nebel war vorhin nur im Osten gewesen. Jetzt war er überall rings um das Lager herum. Und er schien näher gekommen zu sein. Nur noch eine Meile vom Lager entfernt.

Gerade noch war er sich unsicher gewesen und blickte mit nachdenklichem Blick zu dem Unglücksboten hinüber, der alleine an einem der Feuer kauerte. Aber nur bis ihn die schrecklichen Stimmen erreicht hatten, die aus dem Nebel an sein Ohr drangen.

(c) Steffen Brückner, 2001